Ein Nachbarland klingt erst einmal nach Entfernung. Nach einem anderen Wetterbericht, einer Reise, einer Sprache, in der man länger nach dem richtigen Wort sucht. Für manche Menschen beginnt es jedoch auf dem Weg zur Arbeit. Für andere liegt dort die Familie. Wieder andere wohnen seit Jahren in dieser Gegend und waren noch nie in dem Ort, dessen Name ihnen dauernd begegnet.

SaarLorLux Open möchte diese verschiedenen Entfernungen ernst nehmen. Saarland, Lothringen und Luxemburg sind unsere Nachbarschaft. Das heißt nicht, dass hier alles gleich wäre. Löhne unterscheiden sich, Behörden arbeiten nach anderen Regeln, eine Fahrkarte kann Fragen aufwerfen. Die Grenze verschwindet nicht dadurch, dass wir sie auf einer Magazinseite freundlich beschreiben.

Trotzdem lohnt sich ein Blick, der beim Alltag anfängt. Wer bringt ein Kind zur Schule, bevor die Fahrt losgeht? Welche Sprache hilft am Arbeitsplatz, welche fehlt beim Elternabend? Wer hat im neuen Wohnort schon eine Person, der man einen Schlüssel anvertrauen könnte? Solche Fragen sind klein genug, um genau hinzusehen. Und groß genug, um eine Geschichte zu tragen.

Ein persönliches Magazin

Diese Seite hat einen Herausgeber und einen begrenzten Anfang. Sie ist kein Verkehrsportal, kein Veranstaltungskalender und kein Reiseprospekt. Acht Texte bilden die erste Ausgabe. Manche schauen auf einen Ort, manche auf eine Gewohnheit. Eine ausführliche Vor-Ort-Reportage erzählt von einem Küchentisch zwischen zwei Städten und dem gemeinsamen Alltag von Mara und Samir.

Auch die Bilder nehmen eine klare Rolle ein. Wir arbeiten mit eigens gestalteten redaktionellen Illustrationen unseres Ateliers. Sie fangen die Stimmung und die Menschen unserer Nachbarschaft ein. Bei quellenbasierten Texten steht, worauf sie sich stützen, während unsere Reportagen und Porträts auf echten Gesprächen und Beobachtungen vor Ort basieren.

Mich interessiert ein Magazin, in dem niemand seine Herkunft vorführen muss. Eine Person aus Forbach soll nicht automatisch für Frankreich sprechen. Eine Person aus Luxemburg muss nicht erklären, warum das Land wohlhabend ist. Und wer neu im Saarland lebt, ist mehr als eine Geschichte über das Ankommen.

Wer ist nebenan?

Der Name Open beschreibt eine Haltung, keinen fertigen Zustand. Offenheit verlangt manchmal eine Übersetzung. Manchmal eine Uhrzeit, zu der auch Menschen mit Schichtdienst kommen können. Nähe ist auch die Frage, wer Zeit hat, sie zu nutzen.

Deshalb werden hier nicht nur schöne Orte vorkommen. Ein umständlicher Weg verdient Aufmerksamkeit. Ein Gespräch, das wegen eines fehlenden Wortes stockt, ebenfalls. Es darf etwas ungelöst bleiben. Wir brauchen am Ende eines Textes nicht immer ein gelungenes Europa im Miniaturformat.

Zum Anfang liegt dieses Heft auf einem gedachten Tisch. Es ist noch dünn. Auf den nächsten Seiten stehen ein paar Dinge, die wir genauer lesen möchten. Vielleicht ist ein Ort dabei, an dem du jeden Tag vorbeikommst. Vielleicht fällt dir jemand ein, den dieses Magazin kennenlernen sollte.

Nähe ist auch die Frage, wer Zeit hat, sie zu nutzen.

Quellen und Einordnung

Redaktionelles Editorial von Julius Roth. Grundsatztext zum Selbstverständnis und Auftakt des Magazins SaarLorLux Open.

---

Die Beiträge dienen Bildungs-, Informations- und Kulturzwecken. SaarLorLux Open ist ein unabhängiges redaktionelles Angebot. Die Inhalte stellen keine Rechts-, Steuer-, Reise- oder Finanzberatung dar.